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Schwarzkümmelöl
Dieser Artikel stand am 6. Mai 1999 im
Kölner Express. Nicht als Anzeige, sondern als redaktioneller Beitrag:
Experten: Es hilft!
Wunder-Öl gegen Heuschnupfen
Pollen-Alarm. Jeder vierte Rheinländer traut sich nicht mehr vor die Tür,
mehr als 18 Millionen haben Heuschnupfen. Doch jetzt verspricht ein neues
Wunderöl Abhilfe. Es wird aus einer speziellen Kümmelart gepreßt und
hat selbst hartnäckigste Allergien in kürzester Zeit beseitigt.
Pollenalarm - alle
wollen Schwarzkümmel
Was ist dran am Wunderöl
von DIRK AMARELL
Wenn sich jeder vierte Rheinländer nicht mehr vor die Tür traut ...
Pollenalarm. 18 Millionen Deutsche
schniefen. Eine Heuschnupfen-Plage, gegen die kein Kraut gewachsen ist.
Oder doch? Plötzlich ist ein Gewürz-Öl der Geheimtip unter den
Pollenallergikern.
Auch Claudia Goetzenich aus Hilden (42) schwört drauf: "Bei mir war´s
ganz schlimm. Von Februar bis September lief mir die Nase. Meine Augen
juckten, mein Rachen kratzte, mein Kopf dröhnte. Jahr für Jahr die
gleiche Qual. Starke Medikamente, Hyposensibilisierungs-Therapie - nichts
half mir auf Dauer.
Dann kamen Kreuzreaktionen dazu. Wenn ich Obst aß, bekam ich Bläschen am
Mund. Wenn ich Tomaten anfaßte, bildeten sich Quaddeln an den Händen.
Dann probierte ich in meiner Verzweiflung Schwarzkümmelöl. Und konnte es
erst gar nicht fassen: Nach 17 Jahren Pollen-Qual war der Heuschnupfen
weg."
Was ist dran am Wunder-Öl? Die
alten Ägypter benutzten Schwarzkümmelöl schon als Allheilmittel. Es
wird aus einer speziellen Kümmelart gepreßt.
Prof. Holger Kiesewetter, Allergie-Experte der Berliner Charité, erklärt,
wie es den Heuschnupfen lindert: "lm Schwarzkümmelöl sind Linol-
und Linolensäuren. Die fördern die Bildung eines Hormons, das unser
Immunsystem abdämpft. So wird die allergische Überreaktion auf Pollen
abgeschwächt."
Ja, es hilft wirklich. Die Uni München
hat Schwarzkümmelöl an 600 Asthma-Patienten getestet. Ergebnis: Lästige
Beschwerden um 80 Prozent reduziert.
Hobbythek-Tüftler Jean Pütz (selbst Pollen-Allergiker) hat auch schon
von dem neuen Heilöl gehört: "Meine Augen jucken immer erst im
Juni. Dann fliegen die Pollen, die ich nicht vertrage. Bisher bin ich fast
in jedem Jahr davor geflohen, habe Urlaub auf Ibiza gemacht. In diesem
Jahr muß ich unbedingt das Schwarzkümmelöl ausprobieren. Ist ja völlig
ungefährlich, es hat keine Nebenwirkungen."
Das Super-Öl gegen Heuschnupfen.
Seit ein paar Monaten ist es in unseren Apotheken. Ein Päckchen mit 30
Kapseln kostet 13,95 Mark (nicht rezeptpflichtig, Kassen erstatten es
nicht). Asmi el Rabbat von der Kölner Dom-Apotheke: "Es fragen immer
mehr Pollen-Allergiker danach. Gegen Heuschnupfen hilft am besten eine
Drei-Monats-Kur, zwei Kapseln täglich. Schwarzkümmelöl gibt es aber
auch flüssig, 100 ml zu 24,90 Mark. Damit können Pollenallergiker sich
Brust und Rücken einreiben. Täglich ein paar Tropfen am Salat wirken
vorbeugend. Es schmeckt sehr intensiv. Nach Kümmel." |
Wir baten den Kollegen el Rabbat ohne
Erfolg um nähere Auskünfte.
Prof. Kiesewetter vom Institut für Transfusionsmedizin der Charité Berlin,
schickte uns recht umfangreiche Unterlagen, die nach unserer Meinung den
Anforderungen an eine wissenschaftliche Untersuchung über Wirkungen am Menschen
nicht genügen:
eine noch nicht veröffentlichte Studie, ermittelt durch Befragung der 513
Patienten nach ihrem subjektiven Wohlempfinden;
eine Pressemitteilung des Arbeitskreises Allergie (Sprecher: Prof. Dr. Dr.
Holger Kiesewetter), in der ohne weitere Angaben von mehreren Tausend
erfolgreich behandelten Allergikern gesprochen wird;
einige Inhaltsangaben zu Veröffentlichungen, sogenannte abstracts, die sich auf
Tierversuche oder solche im Reagenzglas (in vitro) beziehen und mit der hier
behaupteten Wirkung teilweise nichts zu tun haben. Darunter ist auch eine
Meldung über eine allergische Kontaktdermatitis nach äußerlichem Gebrauch von
Schwarzkümmelöl. Damit ist das immer wieder gerne gehörte Thema Wirkung ohne
Nebenwirkung in diesem Fall erledigt.
Aufgrund der Zusammensetzung des Öles
ist eine Beeinflussung des bei Allergien wichtigen Immunsystems denkbar, tatsächlich
gibt es ein vergleichbar zusammengesetztes Öl aus Nachtkerzensamen mit einem
hohen Gehalt an mehrfach ungesättigten Fettsäuren, vor allem gamma-Linolensäure
(auch Gamolensäure), das geprüft und nach dem Arzneimittelgesetz zur
Behandlung der Neurodermitis zugelassen wurde. Es wird unter dem Namen Epogam
als Arzneimittel vertrieben und greift nach den seinerzeit vom
Bundesgesundheitsamt überprüften Herstellerangaben im Sinne einer Ersetzung
nicht ausreichend vorhandener körpereigener Verbindungen in den Stoffwechsel
ein.
Wenn Sie also als Allergiker betroffen
sind, können Sie einen Versuch mit einem auch sonst der Gesundheit zuträglichen
geeigneten Pflanzenöl unternehmen; es muss nicht unbedingt eines aus der
Apotheke sein, die im Lebensmittelhandel sind vor allem alltagstauglicher; dermaßen
durchschlagende Erfolge wie vom Express (Wunderöl!) oder Herrn Kiesewetter
behauptet sollten Sie allerdings nicht erwarten.
Wenn Sie Erfolg haben sollten, wären
wir Ihnen für eine Rückmeldung dankbar.
- Die Arzneimittelkommission der
deutschen Apotheker [1] schrieb am 21.11.96 zu
diesem Thema:
"Information
... Schwarzkümmelöl: Nahrungsergänzungsmittel?
AMK. ... Seit einiger Zeit werden mehrere Präparate mit
Schwarzkümmelöl über Apotheken und Drogerien als Nahrungsergänzungsmittel
(NEM) vermarktet. Es handelt sich um das Samenöl von Nigella sativa L. (Ranunculaceae),
ein fettes Öl mit Myristin, Palmitin-, Stearin-, Öl-, Linol- und Linolensäure
sowie einigen Phytosterinen. Den Produktinformationen zufolge besteht der Nutzen
in der Zufuhr von mehrfach ungesättigten Fettsäuren, die mit der heutigen Ernährung
nicht immer ausreichend sei.
Mehr oder weniger versteckt wird in Anzeigen und
redaktionellen Beiträgen in der Publikumspresse aber eine ganze Reihe von
arzneilichen Indikationen beansprucht: "Krebs mit Schwarzkümmelöl
vorgebeugt", " bei Lungen-, Magen- und Leberleiden bewährt" (Die
Welt vom 14. 9. 1995). Als Belege gibt es aber nur einige Abstracts von Studien
und Fallberichten auf dem Briefpapier eines "International Immuno- Biology
Research Laboratory" in South Carolina, USA, die wissenschaftlichen
Kriterien nicht genügen. Die arznei- und lebensmittelrechtliche Prüfung durch
die Überwachungsbehörden ist offenbar noch nicht abgeschlossen...."
[1]
Arzneimittelkommission, Carl-Mannich-Straße 26, 65760 Eschborn/Taunus,
Tel 0 61 96/9 28-1 70, Fax 0 61 96/9 28-1 76
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