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Dr. Raths Vitaminkomplex

Am 6.2.2004 hörte ich einen Vortrag von Dr. Rath in Düsseldorf, es war gespenstisch. Nicht umsonst warnt die Sekten-Info Essen  "besonders gefährlich ist daran, dass solche vermeintlichen Heiler Patienten eng an sich binden, sie finanziell ausbeuten und so Abhängigkeiten schaffen."  [10]

Die Arbeitsgruppe "Scientology" der Hamburger Innenbehörde warnt eindringlich vor den Heilmethoden des Arztes.  [11]

Einen Film über diesen Vortrag können Sie auf der Homepage des  Fernsehmagazins Report
ansehen.

Das arznei-telegramm schreibt über die Rathschen Mittel: "Die rechtlichen Möglichkeiten der internationalen Gemeinschaft reichen bei weltweit agierenden Händlern, die ihre Produkte ideologisch verbrämt über das Internet verkaufen und Verbraucherschutz aushebeln wollen, nicht aus. Ein effektiver Schutz des Verbrauchers vor skrupellosen Vermarktern fehlt.[9]

Der Vertreiber dieses Mittels wurde von uns nach einer ähnlichen - ganzseitigen! -Anzeige in der Wochenzeitung Die Zeit [4] schriftlich um Zusendung von näheren Informationen gebeten; geschickt wurde uns das immer wieder erwähnte Druckerzeugnis "Warum kennen Tiere keinen Herzinfarkt - aber wir Menschen". [1]

Die Redaktion der Zeit hat in ihren Ausgaben 24/1996 und 46/1998 gezeigt, dass sie die Rath-Behauptungen kritisch sieht.
Die Kollegen vom Verlag hatten anscheinend keine Probleme, solche Annoncen zu veröffentlichen; unter anderem auch für Pu-Erh-Tee
[5] und die Neuner-Kur [6], besonders überzeugend die Anpreisung des grundlegenden Werkes „Kann einfaches Handauflegen wirklich Krankheiten zum Verschwinden bringen und gleichzeitig die Gesundheitskosten um Millionen senken?" [7] Chefredakteur Roger de Weck bestätigte in einem Schreiben vom 9.2.00, dass die Redaktion sich aus ethischen Gründen („innere Pressefreiheit“) nicht in das Anzeigengeschäft einmischt. Brav!

Wir konnten keinen Beweis für die hier behaupteten Wirkungen finden.

Bewertung nach den zehn Indizien für Quacksalberei des Arzneitelegramms:

Hände weg!

Hier ist der Text der vom Vertreiber veröffentlichten Anzeige:

Anzeige
rath1.jpg (103579 Byte)

Ende der Anzeige

Der in dieser Anzeige erwähnte Artikel in der Wochenzeitung Welt am Sonntag vom 23.1.2000 wird auf der Homepage von Herrn Rath zitiert, es handelt sich um eine kaum überarbeitete Übernahme seiner Veröffentlichung. Wir haben die Redaktion am 29.4.00 um Auskunft gebeten, ob recherchiert wurde. Bis jetzt kam auch von dieser Seite keine Reaktion.

Der immer wieder vorgebrachte Behauptung "Warum kennen Tiere keinen Herzinfarkt - aber wir Menschen" wird in der uns vorliegenden Buch-Ausgabe [1] auf Seite 52 widersprochen: "Erstaunlicherweise sind Herzinfarkte in der Tierwelt fast gänzlich unbekannt".

Der Rest ist ein schwer verdauliches Sammelsurium ohne nachvollziehbare wissenschaftliche Beweise, konkrete Angaben über die von Herrn Rath nur über den Versandhandel vertriebenen Präparate werden keine gemacht.

Man liest von Jahresumsätzen von 200 Millionen Mark, später von 60 bis 100 Millionen Euro. [8], [11] Der Gewinn seiner GmbH soll im Jahr 2001 10 Millionen Euro betragen haben. [12] 

Diese Informationen werden vom Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV) [2] veröffentlicht und kommentiert. Diese Bewertung gefällt Herrn Rath nicht allzu sehr, auf seiner Homepage wettert er mit dem missionarischen Eifer des Erleuchteten gegen diese Verblendung. Das BgVV bezieht auch hierzu Stellung: unbewiesene, teilweise gesundheitsgefährdende oder schlicht unwahre Behauptungen.

Die folgende Tabelle [2] zeigt die Zusammensetzung von Dr. Raths Vitamin-Zell-Komplex und zum Vergleich die Verzehrempfehlung der Deutschen Gesellschaft für Ernährung für Frauen/Männer:
 
  Rath DGE
Vitamin C (mg)
2700
75
Vitamin E (alpha-Tocopherolacetat) (mg)
400
12
Carotin (beta-Carotin) (mg)
4,5
(2)
Vitamin B1 (mg)
30
1,1/1,3
Vitamin B2 (mg)
30
0
Niacin (mg)
195
0
Panthothensäure (mg)
180
6
Vitamin B6 (mg)
45
0
Vitamin B12 (Mikrogramm)
90
3
Vitamin D (Mikrogramm)
15
5
Calcium (mg)
150
800
Magnesium (mg)
180
0
Kalium (mg)
90
0
Phosphor (mg)
60
0
Zink (mg)
30
01.12.15
Mangan (mg)
6
20 - 50
Kupfer (mg)
1,5
0
Selen (Mikrogramm)
90
0
Chrom (mg)
45
50-200
Molybdän (mg)
18
75-250
L-Prolin (mg)
450
-
L-Lysin (mg)
450
-
L-Carnitin (mg)
150
-
L-Cystein (mg)
150
-
L-Arginin (mg)
150
-
Folsäure (Mikrogramm)
390
300
Biotin (Mikrogramm)
300
30-100
Inositol (mg)
150
-
Coenzym Q10 (mg)
30
-
Pycnogenol (mg)
30
-
Citrus-Bioflavonoide (mg)
450
-

Die Vitamin-C-Menge ist laut BgVV gesundheitlich bedenklich, das Präparat als Nahrungsergänzungsmittel nicht verkehrsfähig, die Werbeaussagen irreführend und wissenschaftlich nicht hinreichend gesichert.

Nach einer aktuellen Veröffentlichung der amerikanischen National Academy of Sciences [3] gibt es keine ausreichenden Beweise dafür, dass hoch dosierte Vitamine und Spurenelemente Krankheiten verhindern können.

[1] Dr. med. Matthias Rath, Warum kennen Tiere keinen Herzinfarkt - aber wir Menschen, 5. Auflage, ISBN-Nummer 0-9638768-4-8
[2] DGE-Info 9/99, 137; Wichtige Mitteilungen der Arzneimittelkommission der deutschen Apotheker 71, 139 (21.10.99)
[3] Deutsche Apotheker Zeitung 140, 22 (4.5.00)
[4] Die Zeit 49, 49 (26.11.98)
[5] Die Zeit 11, 66 (11.3.99); 23, 51 (2.6.99)
[6] Die Zeit 43, 78 (15.10.98)
[7] Die Zeit 11, 31 (11.3.99)
[8] Deutsche Apotheker Zeitung 140, 3016 (29.6.00)
[9] Arzneitelegramm, blitz-a-t 16. Juni 2000
[10] taz NRW, 4 (13./14.3.2004)
[11] taz Hamburg Hamburg Aktuell (10.2.2004)
[12] Spiegel 47/2003


 
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