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Kudzu

Der hier zitierte Artikel erschien in der Zeitung, die Bewertung wurde von der Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker veröffentlicht.

Wir haben die Redaktion am 4.11.99, Herrn Prof. Bankhofer am 21.11.99 und den Vertreiber von Nicofree am 22.11.99 schriftlich um eine Stellungnahme gebeten.
Prof. Bankhofer rief am 22.11.99 an, bedankte sich für die ihm ebenfalls zugesandte Veröffentlichung der Arzneimittelkommission und teilte uns mit, dass an der Universität Wien Versuche mit Kudzu zur Raucherentwöhnung geplant sind. Wir fragten auch hier nach.
Prof. Dr. Michael Kunze vom dortigen
Institut für Sozialmedizin teilte uns wiederum mit, dass hier eine Presseveröffentlichung Prof. Bankhofers die einzige Information und keine Versuche geplant seien.

Wir konnten keinen Beweis für die hier behaupteten Wirkungen finden.

Möglicherweise beruht das Ganze auf einigen Missverständnissen; die Verfasser sind immerhin schon so alt, dass sie sich an den Beginn der siebziger Jahre erinnern: seinerzeit wurde Lobelienkraut (Lobelia inflata, englisch auch Indian tobacco) unter anderem als Bestandteil sogenannter Asthma-Zigaretten oder -Zigarren verwendet und hat mit Sicherheit einiges Unheil angerichtet. Die botanische Bezeichnung für Kudzu, Pueraria lobata, klingt etwas ähnlich und es wäre nicht zum ersten mal, dass bei einer Übersetzung, vom Abschreiben ganz zu schweigen, ein dermaßen sinnentstellender Fehler auftritt.

Das erwähnte Präparat Nicofree ist mit DM 69,95 für 21 Beutel erstaunlich teuer angesichts der offensichtlich weiten Verbreitung der Pflanze: im Süden der USA wird es trotz seiner Einführung vor erst 120 Jahren deshalb schon als Unkraut bekämpft. Aus Kudzu werden hier Körbe, Wein und alles mögliche gemacht, von einem Einsatz in der Tabakentwöhnung ist nicht die Rede.
 

Bewertung nach den zehn Indizien für Quacksalberei des Arzneitelegramms:

Hände weg!

GUT GEHT'S

Tipps zur Gesundheit

Von Hademar Bankhofer

Kudzu hilft, das Rauchen zu lassen

Eine jüngste Statistik der Weltgesundheits-Organisation besagt: 62 Prozent der Raucher wollen vom Nikotin loskommen. Aber die meisten schaffen es nicht. Nikotin-Pflaster, Antiraucher-Kaugummi und Nikotin-Spray werden zwar mit großem Erfolg angewendet, aber viele haben eine Abneigung dagegen, weil sie noch immer ihre Nikotin-Abhängigkeit zufriedenstellen. 

Nun macht eine Heilpflanze von sich reden, die eine hervorragende Hilfe beim Abgewöhnen ist. Wissenschaftler an der Harvard-Universität in Boston (USA) sehen darin die Lösung im Kampf gegen das Rauchen. Es handelt sich um eine Pflanze namens Kudzu. Sie wird in der sino-japanischen Pflanzenheilkunde seit Jahrtausenden verwendet. Man kennt sie auch in China und Korea. 

Die Kudzu-Blätter (lat. Pueraria lobata) hat man früher in Form von Tee in erster Linie verwendet, um vom Alkohol loszukommen. neueste Studien haben bewiesen, dass sich Kudzu noch viel besser dazu eignet, wenn man sich das Rauchen abgewöhnen will. Kudzu entgiftet den Organismus in erstaunlicher Schnelligkeit. Kudzu senkt zu hohen Blutdruck und aktiviert den Blutfluß. Die Durchblutung von Gehirn und Beinen wird gefördert. Nikotin entfaltet seine Wirkung über sogenannte Nikotin-Rezeptoren . Wenn nun jemand plötzlich das Rauchen einstellt, bleiben diese Nikotin-Rezeptoren unbesetzt. Das führt zu den Entzugserscheinungen wie Unruhe, Reizbarkeit und gesteigertem Verlangen nach Nikotin. Die in der Kudzu-Pflanze enthaltenen Wirkstoffe besetzen diese Rezeptoren. Sie sind wie ein Nikotin-Ersatz. US-Ärzte haben der Pflanze deshalb den Beinamen Nico-free (frei von Nikotin) gegeben. Die Blätter der Kudzu-Pflanze werden zu einem Instant-Getränk verarbeitet. Wer sich das Rauchen abgewöhnen möchte, löst 3mal Täglich 1 Säckchen aus der Apotheke in einem großen Glas Wasser auf und trinkt den Inhalt in kleinen Schlucken. 

 
Mitteilung der Arzneimittelkommission der Deutschen Apotheker vom 19.8.99:

"Drogenextrakte zur Raucherentwöhnung?
AMK. Vor einigen Jahren wurde in der Publikumspresse eine chinesische Heilpflanze als Mittel zur Alkoholentwöhnung vorgestellt: Die Behandlung mit einem Extrakt aus Pueraria lobata (Kudzu) bewirkte bei Goldhamstern eine Verminderung der freiwilligen Alkoholeinnahme um durchschnittlich mehr als 50%. Der chinesischen Erfahrungsmedizin zufolge soll diese Wirkung auch bei Menschen auftreten. Als vermuteter Wirkungsmechanismus wurde angeführt, dass die in dem Extrakt enthaltenen Isoflavone Daidzin und Daidzein in vitro die Alkoholdehydrogenase und die die Aldehyddehydrogenase hemmen. Seit kurzem wird nun ein Produkt mit Kudzu-Extrakt zur Raucherentwöhnung angeboten. Das Produkt ist als Lebensmittel im Handel, obwohl die Zweckbestimmung eine Einstufung als Arzneimittel nahe legt. Zur Anwendung von Kudzu als Raucherentwöhnungsmittel finden sich in der wissenschaftlichen Literatur keine Veröffentlichungen. Der Anbieter gibt an, dass bei einer klinischen Studie in Frankreich 81% der Anwender nach 14 Tagen das Rauchen "stark reduzieren oder ganz aufhören" konnten."... Das Präparat muss ... „im Hinblick auf die Wirksamkeit bei den Indikationen Alkohol- und Raucherentwöhnung sowie auf die Sicherheit ihrer Anwendung zurückhaltend beurteilt werden. Nach wissenschaftlichen Kriterien liegen zu wenige Daten vor."

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